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Montag, 11. April 2016

2. Peiner Autismustag - PerlA2016 - Bericht

Der Tag danach….Wir sind immer noch überwältigt und finden gar nicht die richtigen Worte.
Es war ein spannender und aufregender Tag und wieder hat sich das Gemeindehaus der ev.luth. Kirchengemeinde als geeigneter Ort präsentiert. Das Wetter meinte es gut mit uns und so konnten die Pausen, Erholungsphasen und die ersten zaghaften Gespräche und neuen Kontakte auch unter freien Himmel genutzt werden.




Noch vor der offiziellen Einlasszeit bzw. bevor die Veranstaltung eröffnet wurde und die Infostand-Teilnehmer mit dem Aufbau fertig waren, zog es die ersten Besucher an. Scheinbar wollte es sich niemand nehmen lassen, auch nur eine Sekunde der Veranstaltung zu verpassen.


Man hatte tatsächlich das Gefühl, die Kleinstadt Peine ( so dürfen wir uns nennen mit 50.000 Einwohnern) entwickelt sich gerade zur Welt-Autismus-Metropole.

Zu Beginn der Veranstaltung wurde die Dia-Show „Gedanken in Bildern“ von Regine Winkelmann abgespielt. An dieser Stelle noch einmal recht herzlichen Dank an Regine Winkelmann für die Erlaubnis, diese einzigartige und zu Gänsehaut führenden Eindrücke in Wort und Bild mit entspannter Hintergrund-Musik präsentieren zu dürfen.

Nach einer sehr erfrischenden und humorvollen Einleitung durch unseren Moderator Carsten Donath zur Eröffnung des Symposiums fand auch die Initiatorin von PerlA2016, Andrea Dünow, noch einige Worte und bedankte sich bei allen Unterstützern und Helfern, die es ermöglicht haben, den 2. Peiner Autismustag zu veranstalten.




Die Schirmherrschaft bei PerlA2016 übernahm Ulrich Germershausen, der in seiner lockeren und gelungenen Rede (Anm: Die Nervosität hat man Ihnen wirklich nicht angesehen) viele Aspekte, Sichtweisen und Problematiken zum Thema Autismus auf den Punkt gebracht hat.


Den ersten Vortrag des Tages hielt Anita Dralle (Dralle-Coaching) zum Thema „Schule vorbei! – Was nun?“.


Der Vortrag wurde durch eine Dia-Präsentation intensiv unterstützt und mit Erläuterungen zum besseren Verständnis einfühlsam und detailliert verinnerlicht. So wurde „Hilfe zur Selbsthilfe“, „Stärke stärken“, „Schwächen schwächen“ und viele weitere und informative Aspekte vorgestellt, erläutert und Informationen verständlich weitergegeben.

Nach einer kleinen Pause ging es mit der ersten Gesprächsrunde weiter. Vier Mütter und gleichzeitig Ehefrauen von Autisten standen dem Publikum Rede und Antwort. Das Publikum durfte nach einer kurzen Vorstellung der Teilnehmer sofort aktiv an der Gesprächsrunde teilnehmen und zögerte auch nicht lange mit den ersten Fragen.

Zitat von Christina Ivanof:“Mir ist ziemlich egal, was ein NT über meinen Sohn sagt, ich frage immer Autisten, sie leben schließlich damit"



An dieser Stelle Dankeschön an Heidrun Adler, Christina Ivanof, Tanja Baumann, und Annett Hartung für die teilweise sehr persönlichen Einblicke.


Nach einer weiteren Pause (die für alle Anwesenden sehr wichtig war und auch sehr gerne angenommen wurde) ging es mit der zweiten Gesprächsrunde „Erwachsene Autisten teilen sich mit“ weiter. Hier durften wir Imke Heuer, Sam Becker, Matthias Voss, Sascha Baumann und Kristina Meyer-Estorf als Gesprächsteilnehmer begrüßen.



Eine Frage aus dem Publikum war: „Was würdet ihr euren Eltern aus heutiger Sicht sagen?“

Sam Becker: „Akzeptiert mich so, wie ich bin“

Sascha Baumann: „Ich mache meinen Eltern den Vorwurf, dass sie in meiner Kindheit der Verdachtsdiagnose nicht nachgegangen sind“.

Die letzte Frage in dieser Runde kam vom Moderator Carsten Donath und war wohl die wichtigste Frage des Tages:“Möchtet ihr den Autismus los werden“ – Einhellige Antwort: „Nein“.


Der 2. Vortrag kam von Regine Winkelmann, die alle Zuhörer in ihren Bann zog und motivierte, das alle so sein dürfen, wie sie sind und ihren Vortrag mit Fotos aus der Dia-Show „Gedanken in Bildern“ untermalte und Auszüge aus ihrem Buch „Früher war ich falsch…heute bin ich anders“ zitierte.



In der dritten Gesprächsrunde „Gute Schulformen für Autisten“ durften wir Anita Dralle, Ingeborg Tjarks, Regine Winkelmann und Ulrich Germershausen begrüßen. Frau Ingeborg Tjarks erzählte, wie Inklusion und Integration aus der Sicht der CJD Braunschweig auch für Autisten funktionieren kann und ging somit als gutes Beispiel voran, das es durchaus gute Schulformen für Autisten gibt und die Umsetzung an Regelschulen aus Kostengründen schwer durchzuführen ist, aber durchaus machbar wäre. Das Publikum nahm rege an der Gesprächsrunde teil und musste aus Zeitgründen etwas abgebremst werden.

(Auf diesem Foto fehlt Anita Dralle, die uns für unseren Blog die Fotos zur Verfügung gestellt hat und während des ganzen Tages neben allen anderen Arbeiten auf noch das Fotografieren übernahm)

Für die drei Gesprächsrunden wurde jeweils eine Stunde eingeplant, die leider zu schnell vergingen und für die Zukunft verlängert werden muss.

Das Konzept der Veranstaltung, die wahren Experten über Autismus zu Wort kommen zu lassen, ist komplett aufgegangen und hat diesen 2. Peiner Autismustag, der unter dem Motto „Wir reden nicht über Autisten, sondern mit ihnen“ stand, zu etwas ganz besonderem gemacht.



Wir konnten unser Programmablauf zeitlich nicht ganz einhalten, wodurch es zu Zeitverschiebungen kam. Aufgrund dessen musste unser Moderator Carsten Donath während der letzten Gesprächsrunde die Veranstaltung verlassen, um seinen Zug in Richtung Heimat noch zu bekommen. Dadurch konnte es zu keiner richtigen Verabschiedung und Danksagung an Carsten Donath kommen. Dies holen wir auf diesem Wege leider etwas unpersönlich nach. Ganz lieben Dank Carsten für deine lockere und humorvolle Art uns zu unterhalten, die Ruhe und Ratschläge, die du für jeden parat hattest, der es gerade benötigte und Danke, das du PerlA wieder einmal mit deiner Anwesenheit bereichert hast.

Unsere Infostände, die parallel zum Veranstaltungsprogramm für die Öffentlichkeit aufgesucht werden konnte, fand stets großen Ansturm.

Am Stand von LunA eV fanden auch die Interviews für die Sendung „Richtig Autistisch“ von Radio Blau statt. Am 24.04.2016 von 16 – 18.00 Uhr ist bei Radio Blau 2 Stunden lang über die Reise nach Peine, die Eindrücke der Veranstaltung sowie die Interviews zu hören. Hier die weiteren Sendetermine für 2016 :

24.04.2016 – 19.06.2016 – 14.08.2016 – 09.10.2016 und 04.12.2016, jeweils von 16.00 – 18.00 Uhr. Nähere Informationen und Kontakt über www.radioblau.de & www.leipzig-und-autismus.de.

In diesem Zusammenhang möchten wir auch noch einmal auf die Kino-Aufführungen von Richtig Autistisch aufmerksam machen. Ein Film über eine Familie im Autismus-Spektrum.

Am 18.04.2016 um 19.30 Uhr im Cinemaxx Wuppertal und am 20.04.2016 um 19.00 Uhr im Passage-Kino Leipzig. Nähere Infos über www.medienprojekt-wuppertal.de


Das Schlusswort hielt Heidrun Adler als Mit-Initiatorin der Autismus Peine Selbsthilfegruppe und wir können nur noch hinzufügen, es war nur Schluss für den 09.04.2016, aber wir sehen uns wieder am 07.04.2018 beim 3. Peiner Autismustag.



Über den Tag verteilt konnten wir eine Besucherzahl von 350 Personen verzeichnen.

Bereits vor Ort und wenige Stunden nach Beendigung des 2. Peiner Autismustages erhielten wir so viel positives Feedback, wofür wir uns recht herzlich bedanken möchten.

Wenn auch Sie uns ein Feedback zukommen lassen möchten, sofern Sie anwesend waren, so würden wir uns sehr freuen. Sie können dafür unser Gästebuch benutzen.

Hier vorab das wohl größte Lob, welches eine Veranstaltung erhalten kann von Michael Schmitz, der ebenfalls mit einem Infostand vor Ort anwesend war http://www.autismus-buecher.de/ :

„Es war wirklich die beste Veranstaltung zum Thema Autismus, an der ich bisher teilgenommen habe. Danke an alle, die Offenheit und Ehrlichkeit“


Wir sagen recht herzlichen Dank, auch an unsere Förderer und Unterstützer



Weitere Fotos finden Sie in unserer Bilder-Galerie auf dem Blog PerlA

Freitag, 12. Februar 2016

PerlA - Peine erlebt Autismus

Die Planungen für PerlA2016 - "Peine erlebt Autismus" für den 09. April 2016 laufen auf Hochtouren. 

PerlA hat nun sogar einen eigenen Blog erhalten PerlA - Peine erlebt Autismus.
Dort findet ihr alle Informationen zu unserem 2. Peiner Autismustag und natürlich einen Rückblick von PerlA2014.

Wir möchten uns aber auch auf diesem Blog schon einmal recht herzlich für die Unterstützung bedanken, die wir bisher erfahren durften. 
Ein großer Dank geht an unsere Gesprächsteilnehmer für die Podiumsdiskussionen, die ohne lange zu zögern sofort zur Teilnahme bereit waren und somit für ein positives Gelingen im April beitragen werden.
Auch unsere Referenten werden die Zuschauer mit ihren Vorträgen in den Bann ziehen, das können wir jetzt schon versprechen.

Unsere zahlreichen Informationsstände werden hoffentlich keine Fragen offen lassen.

Aber überzeugt euch bitte selbst am 09.04.2016 beim 2. Peiner Autismustag in 31224 Peine von 09.30 - 17.00 Uhr. Der Eintritt ist frei. Eine Voranmeldung ist nicht notwendig.










Samstag, 14. November 2015

Silke Bauerfeind zu Gast in Peine




Wir durften uns am 13.11.2015 von Silke Bauerfeind (Autorin und freischaffende Künstlerin) in eine wundervolle Welt der Verdichtung von Gedanken, Gefühlen, Erfahrungen, Erlebtem und Beobachtetem entführen lassen, vermischt von zahlreichen digitalen Fotocollagen.



Silke Bauerfeind hat bisher vier Bücher veröffentlicht, zum Teil auch zum Thema Autismus, welches sie uns vorstellte und auszugsweise daraus vorlas.

Meine Lieblingsfarben klingen“, ein Kunstband, vermischt aus Autismus in Lyrik und Malerei, welches sie gemeinsam mit Kristin Behrmann 2014 veröffentlichte, stellte sie gleich zu Anfang vor. Auch durften wir erfahren, wie dieses Buch in Zusammenarbeit mit Kristin Behrmann entstanden ist.

Zwischen den Lesungen und Schilderungen kamen immer wieder Erklärungen zu den einzelnen Fotocollagen.




ein Kind mit Autismus zu begleiten, ist auch eine Reise zu sich selbst“

Auch aus ihrem mittlerweile recht bekannten Webauftritt „Ellas Blog“ durften wir einige Beiträge hören. „Ella“ ist das offene Pseydonym der Autorin. Auf Ellas Blog finden sich Erfahrungeberichte, Buchrezensionen, Literaturtipps, Gedanken, gastbeiträge und praktische Informationen zu therapeutischen und sozialrechtlichen Fragen. Alle Beiträge drehen sich rund um das Thema Autismus.




Aus dem im September 2015 neu veröffentlichten Buch von Silke Bauerfeind „Blütenschwarz“ durften wir die Geschichte „Aus der Welten Krümmung“ in voller Länge genießen. In dieser Geschichte geht es um einen jungen Mann, der seine Umgebung ganz anders wahrnimmt und uns seine ungewohnte Sichtweite präsentiert.

Eine weitere Erzählung aus diesem Buch „Geruch von Schnee“ durften wir auszugsweise hören. Hier erzählt Elena, was sie mit dem Geruch von Schnee verbindet, was natürlich bis zum Schluss der Geschichte ein Geheimnis bleibt. Elenas Geschichte führt in eine Kindheit, die berührt und erschüttert, und in eine Gegenwart, die versucht, das Erlebte zu verarbeiten. Allerdings blieb das Ende auch für alle Zuhörer ein Geheimnis.







Nach der Lesung erfolgte noch der Buchverkauf von „Meine Lieblingsfarben klingen“, „Blütenschwarz“, „Wunderstachelblumenwelt“, „Da Capo al Fine“ sowie von ihrem wundervollen Kalender „Lofotenstrände2016“. Die verkauften Bücher wurden selbstverständlich auf Wunsch von Silke Bauerfeind signiert.






An dieser Stelle danken wir Silke Bauerfeind noch einmal recht herzlich, das sie uns einen Einblick in „manchmal ist es nur ein Augenblick“ vermittelte.


***Die hier von uns veröffentlichten Fotos der Digital-Collagen sind mit freundlicher Erlaubnis der Autorin und Kulturwissenschaftlerin Silke Bauerfeind hochgeladen***






Samstag, 3. Oktober 2015

Offener Brief an den Europäischen Bürgerbeauftragten und die Mitglieder des EU Parlamentes

Ursprünglich veröffentlicht auf Innerwelt
Aufruf:
Um diesen Brief möglichst weit zu verbreiten, brauchen wir eure Hilfe!
Zum einem könnt ihr hier in den Kommentaren unterzeichnen und damit öffentlich zeigen, dass wir viele sind.
Aber wir haben da noch ein Anliegen:
Er wird zwar einmal im Original an die entsprechende Stelle der EU versendet, aber damit wir wirklich gehört werden, möchte ich euch bitten, diesen Brief zu kopieren (copy and paste) und ihn an eure EU-Abgeordneten zu schicken.
Bitte vermerkt hier in den Kommentaren, welche Abgeordneten (+ Angabe Bundesland) schon angeschrieben wurden. Gerne auch doppelt und dreifach. Es soll nur darum gehen, dass wir sehen, welche Abgeordneten und Bundesländer noch ausstehen. Optimal wäre es, wenn jeder EU-Abgeordnete mindestens eine Fassung des Briefes erhält.
http://www.europarl.de/…/europa_und…/das_ep/abgeordnete.html
Gerne kann dies auch in den anderen EU- Staaten verbreitet werden. Umso mehr, umso besser.
Da es sich um die EU handelt, stellen wir dem Brief sowohl auf Deutsch als auch bald auf Englisch zur Verfügung. Sobald die Übersetzung vorliegt, wird er unten angehängt.
Verbreitet diesen Brief so weit wie möglich. Denn was die da versuchen, können wir nicht einfach so zulassen.
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Offener Brief an den Europäischen Bürgerbeauftragten und die Mitglieder des EU Parlaments
Sehr geehrte Damen und Herren,
mit großer Verwunderung haben wir vernommen, dass zu dem Informationstag zur Autismus-Deklaration (Declaration on Autism) , Autisten selbst nicht eingeladen wurden. Schon bei der Abstimmung wurden wir nicht gefragt, ob wir denn europaweit typisiert werden wollen und wie wir denn zu einer europaweiten Einführung zur evidenzbasierten Therapie stehen würden.
In Zeiten der UN-BRK nicht vertretbar, da es immerhin um unsere Belange geht. Gemäß Artikel 4 (3) und Artikel 29 der UN-BRK möchten wir zu dieser Thematik gehört und in die weiteren Schritte aktiv einbezogen werden.
Ganz nach dem Motto “Nichts über uns, sondern mit uns”
Mit der sogenannten frühen, intensive Hilfe, die angeblich eine Milderung bewirken soll, wie es nett umschrieben in der Deklaration heißt, kann es sich nur um eine bestimmte Therapie handeln.
Was bis dahin nur eine Vermutung war, ist spätestens nach Durchsicht der eingeladenen Gäste zum Informationstag Gewissheit. Hier geht es um ABA (Applied Behavior Analysis) und darauf basierende Therapieformen .
Kern dieser Therapie- bzw. Frühförderungsprogramme sind zeitintensive Kontrollen des Verhaltens der autistischen Kinder, eine Durchführung vorallem durch die Eltern und das in den Räumlichkeiten der Familie. Autistische Kinder – so wird es empfohlen- werden 40 Stunden und mehr im Verhalten kontrolliert und konditioniert. Dadurch das die Eltern als Co-Therapeuten eingebunden werden, haben diese Kinder keine vertrauenswürdigen Ansprechpartner und Bezugspersonen im familiären Umfeld mehr. Auch die Möglichkeit sich im Kinderzimmer bzw. allgemein Zuhause der Therapie zu entziehen, ist nicht gegeben. Für Autisten ist Sicherheit ein wichtiger Faktor im Leben. Diese Sicherheit wird diesen Kindern auf mehreren Ebenen entzogen und verwehrt. Wir sind der Meinung, dass hier schon im Grundkern gegen elementare Menschenrechte, wie beispielsweise das Recht auf persönliche Entfaltung und seelische Unversehrtheit (Artikel 17 UN-BRK) verstoßen wird.
Ziel der angesprochenen Therapieformen ist es, dass autistischen Kinder ihr autistisches Verhalten verlernen und normatives Verhalten erlernen sollen.  Dies wiederspricht dem Gedanken der Inklusion, dem Recht auf Selbstbestimmung und dem im Artikel 3 der UN-BRK formulierten allgemeinem Grundsatz “die Achtung vor der Unterschiedlichkeit von Menschen mit Behinderungen und die Akzeptanz dieser Menschen als Teil der menschlichen Vielfalt und der Menschheit”.
Gerne werden als Gründe für ABA angeführt, dass  ABA medizinisch anerkannt und die einzige evidenzbasierte Therapie bei Autismus und damit alternativlos wäre. Dies ist nicht zutreffend.
Alternativen die nicht auf Konditionierung und Umerziehung der Kinder basieren, sondern diese in ihren Bedürfnissen unterstützen. Hier wird Autismus nicht wegerzogen, sondern für Autisten ein Umfeld geschaffen, dass bestmöglich auf seine Anforderungen an seine Umwelt eingeht und ihm die Teilhabe am alltäglichen Leben ermöglicht. Der elementare Vorteil gegenüber einer strikten Konditionierung, besteht in einer nachhaltigen Teilhabe bei gleichzeitiger Akzeptanz der autistischen Persönlichkeit als Teil der Vielfalt im Leben.
Konditionierung bringt sicher schnellere sichtbare Erfolge, die allerdings auf Kosten der autistischen Persönlichkeit und Bedürfnisse erkauft wird. Dies ist jedoch nicht sichtbar und bleibt als Untersuchungspunkt in Studien zum Thema Konditionierung bei Autisten mittels Behaviorismus unbeachtet. Das Ignorieren dieser Umstände und der damit verbundenen Spätfolgen für Autisten, stellt für uns Autisten ein klares Indiz dar, dass hier nicht im Sinne, gegen den Willen und zum Nachteil von autistischen Menschen gehandelt wird.
Die in der Studie von Lovaas genannten Erfolgsraten kamen nur durch den massiven und ethisch sowie moralisch sehr fragwürdigen Einsatz von Aversiva, Körperstrafen und psychischer Misshandlung zustande.
In neueren Studien ohne den Einsatz menschenrechtsverletzender Methoden konnten diese Erfolgsquoten von angeblich bis zu 47 % weder bestätigt, noch auch nur ansatzweise erreicht werden.
Im Gegenteil. Studien wie z.B. Smith, Groen und Wynn (Randomized trial ofintensive early intervention for children with pervasive developmentaldisorder.2000) zeigen auf, dass ABA langfristig weniger erfolgreich ist, als Methoden wie z.B.TEACCH., die sich an den Bedürfnissen des Klienten orientieren.
Hinzu kommt die Forderung entsprechender Therapieanbieter, nach einer flächendeckenden Anwendung von ABA als einzige Therapiemethode bei Autismus. Dieses Ziel wird jedoch mit den fragwürdigen Erfolgsraten der Studie von Lovaas begründet. Alleine der Anspruch auf Anerkennung von ABA als alleinige anzuwendende Therapieform für Autisten, verstößt massiv gegen die Rechte der hier betroffenen Menschen. Ihnen soll durch eine solche Deklaration jegliches Recht auf Selbstbestimmung genommen werden. Hier wird durch intensive Lobbyarbeit eine Alleinstellung von ABA alsTherapie für Autisten angestrebt. Ein Zugang zu alternativen und auf anderen Methoden aufbauenden Therapieformen würde so unterbunden.
Ein weiterer Punkt der Seitens der Autisten angesprochen werden muss, ist die geforderte europaweite systematische Erfassung von Genmaterial. Hier wird ein umfangreicher Genpool angelegt, der es ermöglichen soll, präventive Maßnahmen zu entwickeln, um Autismus möglichst früh zu diagnostizieren. Worauf nicht hingewiesen wird, ist die Möglichkeit mittels diesen Genominformationen einen pränatalen Gentest auf Autismus zu entwickeln. Dieses Interesse besteht zweifelsohne, was auch die Beteiligung von großen und namhaften Pharmaunternehmen (Roche, EliLilly, Servier, Janssen Pharmaceutica, Pfizer und Vifor Pharma) am Projekt EU-AIMS verdeutlicht. Des Weiteren ist an EU-AIMS auch Autism Speaks aus den USA beteiligt deren Ziel ebenfalls ein solcher Pränataltest und das Sammeln von Genominformationen ist. Autism Speaks ist weltweit unter Autisten stark umstritten. Hier werden mittels Werbespots – z.B.  „I´m Autism“ –Aussagen über Autismus gemacht die generell Behindertenfeindlich und menschenunwürdig sind.
Um Ihnen einen Einblick in diesen Werbespot und die Denkweise von Autism Speaks zu geben folgt nun der Originaltext:
„I am autism. I’m visible in your children, but if I can help it, I am invisible to you until it’s too late. I know where you live. And guess what? I live there too. I hover around all of you. I know no color barrier, no religion, no morality, no currency. I speak your language fluently. And with every voice I take away, I acquire yet another language. I work very quickly. I work faster than pediatric aids, cancer, and diabetes combined. And if you’re happily married, I will make sure that your marriage fails. Your money will fall into my hands, and I will bankrupt you formy own self-gain. I don’t sleep, so I make sure you don’t either. I will make it virtually impossible for your family to easily attend a temple, birthdayparty, or public park without a struggle, without embarrassment, without pain. You have no cure for me. Your scientists don’t have the resources, and I relish their desperation. Your neighbors are happier to pretend that I don’t exist—of course, until it’s their child. I am autism. I have no interest in right or wrong. I derive great pleasure out of your loneliness. I will fight to take away your hope. I will plot to rob you of your children and your dreams. I will make sure that every day you wake up you will cry, wondering who will take careof my child after I die? And the truth is, I am still winning, and you arescared. And you should be. I am autism. You ignored me. That was a mistake.“
Es wird hier massive Angst vor Autismus erzeugt. Autismus ist, in den Augen von AutismSpeaks, etwas das Familien zerstört, Familien in den Bankrott treibt und den Eltern die Kinder raubt. Können Sie sich vorstellen, dass so eine Organisation Autisten helfen möchte? Dieses unmenschliche Bild darf nicht dazu führen, dass vor lauter Angst und aus Desinformation über Autismus, Genmaterial gesammelt wird um Autisten zu registrieren, und in Zukunft daran zu arbeiten, dass Autisten schon pränatal aussortiert werden können. Bitte hinterfragen Sie auch, was eine solche Registrierung von Autisten in der Gesellschaft auslöst. Autisten sind Menschen und haben nichts verbrochen. Wir wollen in einer Inklusiven Gesellschaft leben und nicht über eine Gendatenbank erfasst, registriert und identifizierbar gemacht werden. Wir haben ein Recht auf ein Leben wie jeder andere unbescholtene Mensch auch. Autisten haben ebenfalls ein Recht darauf, dass ihre Behinderung nicht gegen ihren Willen, zum Beispiel durch ein Datenleck, bekannt wird.
Wir sind Menschen, wie Sie alle auch und leben auch nicht, wie so oft behauptet, in unserer eigenen Welt. Wir sind, wie jeder andere auch, eine Bereicherung für die Gesellschaft. Wenn man uns fördert, können wir unseren Teil zum gesellschaftlichen Leben beitragen.
Indem sie Methoden wie ABA oder der Gendatenbank zustimmen, erzeugen Sie exkludierende Rahmenbedingungen für das zukünftige Leben von Autisten in Europa und missachten die UN-BRK maßgeblich.
Autisten sind keine Menschen niederer Klasse.
Autismus kann eine schwerwiegende Behinderung sein. Dies rechtfertigt aber keine unethischen und gegen die Menschenrechte verstoßenden Therapien und Frühförderungen, die gegen den Autisten arbeiten, indem sie ihn auf eine von außen definierte Norm umerziehen. Wir plädieren hier nochmals für die Unterstützung von Autisten um ihnen eine Teilhabe am alltäglichen Leben zu ermöglichen. Wir plädieren für die Vielfalt in der Gesellschaft und sprechen uns gegen eine Umerziehung aus. Wir stehen zu unserer Art der Wahrnehmung und möchten nicht in Zukunft mittels Gentest aussortiert werden.
Wir sind Menschen!
Wir bitten Sie um folgendes:
Informieren Sie sich umfassend über Therapiemöglichkeiten und prüfen Sie diese, wie auch die europaweite Erfassung, vor allem auch nach menschrechtlichen Aspekten. Bedenken Sie dabei bitte auch die Situation der Autisten und die ihnen eigene Innensicht über Autismus. Laden Sie autistische Menschen ein, lernen Sie die Vielfalt kennen und machen Sie sich ein eigenes Bild, losgelöst von Lobby- und Verbandsarbeit.
Wir, die Autisten, stehen Ihnen da gerne zur Verfügung.
Wir bedanken uns für Ihre Antwort im voraus und verbleiben
Mit freundlichen Grüßen
Aleksander Knauerhase, Inklusionsbotschafter der Interessensvertretung Selbstbestimmt Leben in Deutschland e.V.
Michael Zalucky
Grit Bormann

Freitag, 17. Juli 2015

Lesung mit Silke Bauerfeind am 13.11.2015

Lesung mit Silke Bauerfeind
„manchmal ist es nur ein Augenblick“

Silke Bauerfeind ist Kulturwissenschaftlerin und arbeitet als Autorin und freischaffende Künstlerin.
Als Mutter eines frühkindlichen Autisten beschäftigt sie sich auch intensiv mit dem Thema Autismus und drückt ihre Gedanken dazu vor allem in ihrem Schreiben und in fotografischen Arbeiten aus.



Am Freitag, den 13. November 2015 wird sie in unserer SHG zu Gast sein.

Die Lesung beginnt um 18.30 Uhr im Familienzentrum Peine, Breslauer Str. 9, 31226 Peine. Einlass ist ab 18 Uhr.

Der Eintritt ist frei - Über eine kleine Spende würden wir uns aber dennoch freuen. Unsere Spenden-Spardose finden Sie im Eingangsbereich.

Silke Bauerfeind liest lyrische und erzählerische Texte aus ihren Büchern und weiht ihre Zuhörer in manche Entstehungsgeschichte und Hintergrundinformation ein. Besonders interessant ist dabei auch, mehr 
über die Zusammenarbeit mit der Malerin und Autistin Kristin Behrmann zu hören, mit der sie zuletzt das gemeinsame Kunstbuch „Meine Lieblingsfarben klingen“ veröffentlichte.

Außerdem gibt Silke Bauerfeind Einblick in den von ihr initiierten Webauftritt „Ellas Blog“, der über Autismus informiert und aufgrund der Erzählungen und Eindrücke über das Leben mit einem autistischen Kind inzwischen für viele Menschen eine beliebte Anlaufstelle ist.

Während der Lesung können gern Fragen gestellt werden. Und auch danach haben Sie die Möglichkeit, mit der Autorin ins Gespräch zu kommen. 
Außerdem präsentiert Frau Bauerfeind eine kleine Bilderausstellung mit eigenen Fotocollagen auf Leinwand und bringt ihre Bücher mit, die sie auf Wunsch gern signiert.

„Manchmal ist es nur ein Augenblick“ – das ist oftmals der Leitgedanke, der das Schaffen von Silke Bauerfeinds Werken durchzieht - einzelne Augenblicke voller Glück, Schmerz, Liebe, Traurigkeit, Inspiration, Erkenntnis, Freundschaft, Verbundenheit, Ratlosigkeit, Unsicherheit, Vertrauen und großer Freude. 

„Manchmal sind es nur kleine Momente, die man viel zu oft unbemerkt verstreichen lässt“, sagt die Autorin. „Ich denke, dass sie sehr wertvoll sind und oftmals viel mehr bedeuten als wir sofort erfassen können.“

Ihre Lesungen machen deutlich, dass es auch in der Literatur und vor allem in der Fotografie meist nur Augenblicke sind, die eingefangen werden können. Über die Kunst erhalten diese Momente jedoch einen kleinen Anstrich von Unvergänglichkeit.

An dieser Stelle schon einmal herzlichen Dank an Silke Bauerfeind, dass Sie unsere Einladung angenommen hat und uns mit ihrer Lesung und ihren Bildern bereichern wird.

Hier noch einmal die Links zu der Homepage von Silke Bauerfeind und EllasBlog:
http://www.silke-bauerfeind.com/
http://ellasblog.de/

LG Autismus Peine SHG (Kontaktgruppe)

Sonntag, 19. April 2015

PerlA 2016 - 2. Peiner Autismustag

PerlA 2016
Peine erlebt Austismus

Nach dem positiven Feedback von PerlA 2014 gehen wir nun in die zweite Runde.

Am 09. April 2016 lädt die Autismus Peine Kontaktgruppe zum 2. Peiner Autismustag ein.
PerlA 2016 wird von interessanten Beiträgen auf verschiedenen Ebenen stattfinden. So wird unsere öffentliche  Informationsveranstaltung nicht nur mit Vorträgen und Informationsständen gefüllt sein, sondern überwiegend mit Diskussionsrunden, in der auch die Zuschauer die Möglichkeit erhalten werden, zum Thema beizutragen.

Geplant sind,  neben unseren Informationsständen, dass es zwei Vorträge sowie drei Diskussionsrunden aus unterschiedlichen Bereichen geben wird. Unsere Diskussionsrunden, die jeweils aus 4-6 Teilnehmern besteht, sind unterteilt in den Themen:
-                    Erwachsene Autisten teilen sich mit
-                    Mütter/Väter und Ehepartner von Autisten
-                    Eine gute Schulform für Autisten

Für unsere Diskussionsrunden und Informationsstände sind noch einige Plätze frei, so dass wir uns freuen würden, wenn es diesbezüglich noch „Anmeldungen/Bewerbungen“ geben wird. Zwecks Kontaktaufnahme einfach eine Email an uns schicken.
Der Unkostenbeitrag für einen Informationsstand beträgt 3,00 € pro Tisch, kommerzielle Stände zahlen einen Beitrag in Höhe von 10,00 € pro Tischlänge  (1,20 m).

Der Eintritt ist frei, damit wir die breite Öffentlichkeit erreichen und zur Aufklärung und Sensibilisierung in Bezug auf Autismus beitragen können.
Für Verpflegung wird wieder bestens gesorgt sein.

Da wir uns noch in der Planung befinden, bleiben kleine Änderungen vorbehalten.

LG Austismus Peine Kontaktgruppe (SHG)



Donnerstag, 4. September 2014

Ende der Sommerpause

Nun ist es wieder soweit!!!
Wir starten wieder neu durch :-)

Unser erstes Treffen nach der Sommerpause findet am

Freitag, den 05. September 2014 um 19 Uhr

in den Räumen der Kontakt- und Informationsstelle für Selbsthilfe (Bodenstedtstr. 11, 31224 Peine) statt.

Wir hoffen, ihr hattet trotz des bescheidenen Wetters eine schöne Ferienzeit.
Wir sind gespannt, was es alles zu berichten gibt.

Wir freuen uns auf euch und nicht vergessen, ab sofort treffen wir uns alle 14 Tage (immer in den geraden Wochen).

Kontakt wie immer per Email an shg-autismus-peine@gmx.de